Vor dem Launch einer mehrsprachigen Website sollte zunächst eine Lokalisierungsprüfung durchgeführt werden, bevor man sich mit der Übersetzung beschäftigt. Die eigentlichen Probleme liegen meist nicht in einzelnen Formulierungen, sondern darin, dass Sprache, Region, Währung, Datumsformat, Formularfelder, URL-Struktur und technische Umsetzung nicht aufeinander abgestimmt sind: Die Seite wirkt zwar bereits „mehrsprachig“, führt Besucher aber tatsächlich noch zur falschen Währung, zum falschen Einheitensystem oder lässt Suchmaschinen doppelte Inhalte erfassen.
Zunächst muss zwischen Sprachlokalisierung und regionaler Lokalisierung unterschieden werden. Eine deutschsprachige Website bedeutet nicht, dass derselbe Inhalt ohne Anpassungen für den gesamten deutschen Sprachraum verwendet werden kann. Die Schreibweisen, Anreden, Maßeinheiten, Telefonnummernformate und Postleitzahlen können sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterscheiden. Wenn auf der Seite außerdem feste Angaben wie „+86“, „Renminbi“ oder „Werktags 9:00–18:00 Uhr“ erscheinen, sollte geprüft werden, ob diese mit den Kaufgewohnheiten des Zielmarktes in Konflikt stehen. Bei Seiten zu Installation, Transport, Zollabfertigung und Kundenservice treten solche Details besonders deutlich hervor: Selbst bei derselben Lieferfrist unterscheiden sich die Formulierungen für See-, Luft- und Bahntransport. Ob die Frachtkosten Steuern, Entladung oder die Lieferung bis in höhere Stockwerke einschließlich Installation umfassen, muss während der Lokalisierung eindeutig angegeben werden und darf nicht dem Kunden zur Interpretation überlassen bleiben.

Auf Produkt- und Anfrage-Seiten werden Einheiten und Spezifikationen am häufigsten übersehen. Abmessungen, Gewicht, Leistung, Spannung, Temperatur- und Feuchtigkeitsbereiche, Gewindestandards, Schnittstellentypen und Verpackungsspezifikationen sollten einheitlich in einem für die Zielregion unmittelbar verständlichen Format angegeben werden. Beispielsweise dürfen mm, inch, kg und lb nicht uneinheitlich gemischt werden; wenn zwei Einheiten erforderlich sind, muss die Reihenfolge von Haupt- und Nebeneinheit festgelegt werden. Bei technischen Inhalten zu Ventilkörpern, Blechen, Kabeln und Verbindungselementen reicht es bei der Übersetzung nicht aus, lediglich Wörter zu ersetzen. Es muss auch geprüft werden, ob die Spezifikationen im lokalen Markt eine entsprechende Bezeichnung haben. Bei vielen mehrsprachigen Websites liegt das Problem nicht in einer „falschen Übersetzung“, sondern darin, dass dasselbe Produkt in verschiedenen Sprachen als anderes Modell, anderes Set oder mit anderen Zertifizierungsangaben beschrieben wird. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Beschaffungskommunikation und die Indexierung der Seite aus.
Auch die Lokalisierung von Formularen darf sich nicht auf die Änderung von Platzhaltertexten beschränken. In manchen Märkten ist es sinnvoll, das Namensfeld in Vor- und Nachnamen aufzuteilen, während dies in anderen Märkten nicht verpflichtend sein sollte. Ob für die Adresse Bundesland, Provinz, Stadt oder Bezirk erforderlich sind, ob internationale Vorwahlen bei Telefonnummern zulässig sind und ob eine Postleitzahl verpflichtend angegeben werden muss, ist je nach Region anzupassen. Auch die Formulierungen von CAPTCHA-Hinweisen, Fehlermeldungen, Pflichtfeldkennzeichnungen, Datenschutzerklärungen und Einwilligungsfeldern sollten mit der jeweiligen Sprachversion übereinstimmen. Häufig wird fälschlicherweise angenommen, dass eine Seite vollständig auf die Zielsprache umgestellt wurde, obwohl Absende-Schaltflächen, Feldfehler, E-Mail-Benachrichtigungen und automatische Antworten weiterhin in der ursprünglichen Sprache oder Zeitzone angezeigt werden. Dadurch lassen sich Quelle und Absicht eines Leads nach seinem Eingang nur schwer bestimmen.
Die technische Lokalisierung entscheidet häufig darüber, ob eine mehrsprachige Website korrekt indexiert werden kann. hreflang, canonical, Sprachverzeichnisse oder Subdomains, Sitemaps und Weiterleitungsregeln müssen vor dem Launch vollständig überprüft werden. Ein besonders häufiger Fehler besteht darin, übersetzte Seiten als doppelte Inhalte zu behandeln oder verschiedene regionale Versionen derselben Sprache miteinander konkurrieren zu lassen. Ein weiteres Problem sind zu aggressive automatische Weiterleitungen: Wird ein Nutzer direkt beim Öffnen der Seite aufgrund seiner IP-Adresse oder Browsersprache zwangsweise weitergeleitet, sehen Suchmaschinen-Crawler möglicherweise andere Inhalte als der Nutzer. Dies kann sich negativ auf Ranking und Indexierung auswirken. Bei Websites mit dynamischer JS-Darstellung muss außerdem geprüft werden, ob die Sprache des sichtbaren Bereichs zuverlässig erfasst werden kann. Der Sprachwechsel darf nicht von einer asynchronen Umschaltung abhängen, die das Backend noch nicht vollständig unterstützt.
Bei lokalisierten Inhalten müssen außerdem die Suchgewohnheiten berücksichtigt werden, anstatt den Ausgangstext Wort für Wort zu übersetzen. Der Begriff „mehrsprachige Website“ zeigt bereits, dass sich die Ausdrucksweise in den verschiedenen Märkten unterscheidet. Bei demselben Produkt suchen englischsprachige Nutzer möglicherweise nach materials, specification oder supplier, während deutschsprachige Nutzer häufiger Produktkategorien, Materialbeschreibungen und Anwendungsszenarien betrachten. Seitentitel, H2-Überschriften, Bild-Alt-Texte und Namensfelder in strukturierten Daten sollten daher an die lokalen Suchgewohnheiten angepasst werden. Andernfalls ist der Inhalt zwar verständlich, wird aber möglicherweise nicht gefunden. Dabei sollten zwei Extreme vermieden werden: eine starre Wort-für-Wort-Übersetzung und das unnatürliche Einfügen von Fachbegriffen ausschließlich zu Keyword-Zwecken. Ersteres beeinträchtigt das Verständnis, Letzteres die Glaubwürdigkeit.
Auch für die Lokalisierung sollten ausreichend Spielräume bei Design und Layout vorgesehen werden. Texte in Sprachen wie Deutsch, Russisch, Arabisch und Französisch sind häufig länger als chinesische Texte. Wenn Schaltflächen, Navigationen, Tabellenüberschriften und Hinweistexte auf die feste Länge chinesischer Texte ausgelegt sind, kann es leicht zu abgeschnittenen Texten, fehlerhaften Zeilenumbrüchen oder einer Überlagerung von Symbolen kommen. Zeitformate, Währungssymbole, Tausendertrennzeichen und die Ausrichtung von Aufzählungszeichen müssen ebenfalls einheitlich umgesetzt werden. Wenn eine Website sowohl Marketing-Landingpages als auch Produktdetailseiten umfasst, sollten Abstände zwischen Komponenten, Zeilenumbrüche und die Höhe von Karten in der mobilen Darstellung vor dem Launch für jede Seite überprüft werden. Besonders nach dem Wechsel der Sprache kann ein ursprünglich sauber ausgerichtetes Layout durch lange Wörter leicht beeinträchtigt werden.
Auch E-Mails, Download-Dateien, PDF-Kataloge und Kundenservice-Automatisierungen gehören zum Lokalisierungsumfang. Wenn die Bestätigungs-E-Mail nach dem Absenden eines Formulars, Dateinamen von Anhängen, Vorlagen für Angebote, Kopf- und Fußzeilen von Produktkatalogen oder Hinweise zu Rückgabe und Umtausch weiterhin in der Ausgangssprache oder mit der alten Währung vorliegen, wirkt die Website unfertig. Bei grenzüberschreitenden unabhängigen Websites sollte außerdem geprüft werden, ob die Zeitzone einheitlich verwendet wird, Feiertagshinweise korrekt sind und Versandinformationen mit den Transportzeiten des Zielmarktes übereinstimmen. Es ist nicht erforderlich, eine große Anzahl von Regeln aufzuzählen. Entscheidend ist, alle Inhalte, die der Nutzer später erneut aufruft, als offizielle Seiteninhalte zu behandeln.
Beim letzten Check vor dem Launch geht es nicht um eine Wort-für-Wort-Korrektur, sondern darum, den gesamten Nutzerpfad durchzuspielen: Sprache auswählen, Kategorien durchsuchen, Spezifikationen ansehen, Währung wechseln, Formular ausfüllen, E-Mail empfangen und zu den Suchergebnissen zurückkehren. Solange in einem dieser Schritte noch die Ausgangssprache, falsche Einheiten oder eine nicht einheitliche URL vorhanden sind, ist die Lokalisierung der mehrsprachigen Website noch nicht abgeschlossen. Bei Projekten, die Website- und Marketing-Services integrieren, darf dieser Schritt keinesfalls ausgelassen werden, da die späteren Korrekturkosten deutlich steigen, sobald die Seite in Such- und Werbekanäle eingebunden ist.
Verwandte Artikel
Verwandte Produkte


