Für viele produzierende Unternehmen liegt die größte Gefahr beim Einstieg in die Nutzung sozialer Medien im Ausland nicht darin, dass sie zu wenig Inhalte erstellen, sondern darin, die falsche Plattform zu wählen. Wenn sich das Social-Media-Marketing eines Industrieunternehmens auf den internationalen Märkten noch in der Phase der Informationsrecherche befindet, sind die entscheidenden Fragen eigentlich ganz einfach: Wo informieren sich Ihre Kunden normalerweise über die Branche, sind sie bereit, Kontaktdaten zu hinterlassen, und können sie einen längeren Entscheidungszyklus akzeptieren? Je mehr Plattformen, desto besser, gilt nicht. Gerade in der Anfangsphase ist es oft stabiler, zwei oder drei Kanäle gut zu betreiben, als auf jeder Plattform ein Konto zu eröffnen.
Insbesondere bei Produkten wie Fabrikausrüstung, Maschinen, Komponenten und Rohstoffen besteht die Aufgabe sozialer Medien normalerweise nicht darin, sofort einen Abschluss zu erzielen. Vielmehr sollen potenzielle Kunden Ihr Unternehmen zunächst sehen, sich daran erinnern und anschließend auf der Website oder einer Formularseite weitere Informationen einholen. Bevor Sie eine Plattform auswählen, sollten Sie daher zunächst eine Frage klären: Suchen Sie Händler, Endkunden im Einkauf, Ingenieure oder Partner für eine Markenkooperation? Je nach Zielgruppe unterscheiden sich die geeigneten Einstiegsplattformen deutlich.
Das ist der entscheidende Unterschied bei der Plattformauswahl.
Viele Teams beginnen sofort mit der Produktion von Kurzvideos. Die Aufrufe steigen, doch Anfragen bleiben aus. Der Grund liegt häufig nicht in der Qualität der Inhalte, sondern darin, dass das Produkt mehr Erklärungen erfordert. Bei solchen Geschäftsmodellen ist es wichtiger, zunächst die Plattform mit der Website, mehrsprachigen Seiten und einem Anfragezugang zu verbinden, als zuerst Reichweite zu erzielen.
Aus Sicht des tatsächlichen Kundengewinnungsprozesses wird das Social-Media-Marketing von Industrieunternehmen auf internationalen Märkten nur selten vollständig über eine einzige Plattform abgewickelt. Ein zuverlässigerer Ansatz besteht darin, die Plattformen nach den drei Funktionen „Vertrauen aufbauen, Leistungsfähigkeit zeigen und Leads aufnehmen“ zu kombinieren.
Wenn Sie derzeit nur eine Plattform auswählen können und im B2B-Industriebereich tätig sind, sollten Sie LinkedIn bevorzugen. Wenn Ihr Produkt eine Demonstration erfordert, sollten Sie YouTube von Anfang an einbeziehen. Wenn der Zielmarkt stärker auf soziale Verbreitung angewiesen ist oder Sie gleichzeitig Werbung schalten möchten, führt in der Regel auch an Facebook kein Weg vorbei.

Viele Industrieunternehmen betrachten LinkedIn als einen Ort, an dem Unternehmensnachrichten veröffentlicht werden. Damit wird die Plattform jedoch nicht optimal genutzt. LinkedIn ist eher eine Kombination aus internationaler Geschäftsentwicklung und professioneller Referenz.
Ein häufiger Fehler besteht darin, LinkedIn in ein Unternehmens-Schwarzes Brett zu verwandeln und nur Messeauftritte, Teambuilding-Aktivitäten oder Feiertagsgrüße zu veröffentlichen. Wirklich wirksamer sind Informationen, anhand derer Kunden die Leistungsfähigkeit eines Lieferanten beurteilen können: Wie wird das Produkt eingesetzt? Wie wählt man zwischen verschiedenen Modellen? Welche Kontrollpunkte gibt es im Produktionsprozess? Wie gut funktioniert die Abstimmung bei der Lieferung?
Viele Fabriken unterschätzen den Wert von YouTube, weil sie der Meinung sind, Videoproduktion sei teuer und die Ergebnisse ließen lange auf sich warten. Industrieprodukte werden jedoch ohnehin nicht aufgrund eines einzigen Posters bestellt. Kunden müssen den Betriebszustand, Konstruktionsdetails, die Prozessstabilität und sogar die Installationsschritte sehen. YouTube kann genau diese Aspekte verständlich vermitteln.
YouTube eignet sich in der Regel besonders dann für einen vorrangigen Einsatz, wenn die Anlage Bewegungsabläufe demonstrieren muss, die Produktvorteile in Details verborgen liegen, Kunden häufig fragen, worin der Unterschied zu anderen Anbietern besteht, oder im Vertriebsprozess wiederholt Bedienungsabläufe erklärt werden müssen. Wenn mindestens zwei dieser Punkte zutreffen, lohnt sich der Einsatz.
Sie sollten jedoch nicht von Anfang an versuchen, Videos auf dem Niveau großer Markenproduktionen zu erstellen. Praktischer sind in der Anfangsphase Inhalte wie der Betrieb von Vorführmodellen, Funktionsvergleiche, Installationsdemonstrationen, Antworten auf häufige Fragen, Aufnahmen aus der Fabrik und Erläuterungen zu Anwendungsszenarien. Ein stabiles Bild, klarer Ton und vollständige Informationen sind wichtiger als aufwendige Bearbeitung.
Wenn Ihr Unternehmen hauptsächlich OEM- und ODM-Leistungen anbietet und sich an Markeninhaber, Händler oder regionale Distributoren richtet, kann Facebook eine der Einstiegsplattformen sein. Der Vorteil liegt weniger in fachlicher Tiefe als in der großen Reichweite, der niedrigen Interaktionsschwelle und der einfachen Verbindung mit Werbekampagnen.
Sie sollten jedoch genau prüfen, ob die Zielgruppe in Ihrem Markt Facebook tatsächlich regelmäßig nutzt, um sich über Marken und Lieferanten zu informieren, ob Ihre Inhalte für häufige Veröffentlichungen geeignet sind und ob Sie bereit sind, die Reichweite durch Werbung zu verstärken. Wenn keiner dieser drei Punkte erfüllt ist, kann die Wirkung einer rein organischen Aktualisierung eher schwach ausfallen.
Ein weiteres praktisches Problem besteht darin, dass Inhalte auf der Facebook-Startseite nur eine kurze Lebensdauer haben. Facebook sollte daher zusammen mit der Website, Landingpages und Formularen zur Datenerfassung eingesetzt werden und nicht allein die Umwandlung von Anfragen übernehmen.
In der Phase der Informationsrecherche besteht die größte Gefahr darin, sich von dem Gedanken „Alle anderen machen das auch“ leiten zu lassen. Plattformen wie Instagram und TikTok sind nicht grundsätzlich ungeeignet, doch ihre Eignung hängt vom Produkt und den Bedingungen im Team ab.
Das Entscheidungskriterium ist direkt: Kann die Plattform Ihnen helfen, Personen herauszufiltern, die näher an einer Einkaufsentscheidung stehen, statt lediglich allgemeinen Traffic zu erzeugen?
Die richtige Plattform bedeutet nicht automatisch, dass Sie sofort starten können. Für die Ergebnisse des Social-Media-Marketings von Industrieunternehmen auf internationalen Märkten sind häufig die folgenden grundlegenden Maßnahmen entscheidend:
Dieser Schritt wirkt auf den ersten Blick nicht besonders „social-media-spezifisch“, ist aber tatsächlich entscheidend. Die Plattform ist nur der Einstiegspunkt. Der eigentliche Konversionsprozess hängt weiterhin von Website, Inhalten und der Fähigkeit des Vertriebs zur Nachverfolgung ab.
Wenn noch kein ausgereiftes Team vorhanden ist, empfiehlt sich normalerweise folgende Reihenfolge: Beginnen Sie mit LinkedIn, um das professionelle Image des Unternehmens und der wichtigsten Mitarbeiter aufzubauen. Ergänzen Sie anschließend YouTube, um komplexe Produkte verständlich zu erklären. Wenn Sie die Reichweite erhöhen oder Werbeaktivitäten unterstützen möchten, binden Sie danach Facebook ein. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt in der klaren Aufgabenverteilung der einzelnen Plattformen, sodass Sie nicht von Anfang an durch die parallele Erstellung von Inhalten aufgerieben werden.
Wenn Ihr Unternehmen bereits über eine mehrsprachige Website, SEO-Seiten und Landingpages für Werbekampagnen verfügt, fällt der Einstieg in soziale Medien deutlich leichter. Die Inhalte müssen nicht von Grund auf neu erstellt werden, sondern können auf Basis bestehender Seiten aufgeteilt und verstärkt werden. Für Teams, die Website, Suchmaschinenmarketing und soziale Medien miteinander verbinden möchten, eignet sich dieser integrierte Ansatz besser für eine langfristige Kundengewinnung im Industriesektor. So entsteht weniger leicht eine Lücke zwischen „Die Plattform wird aktualisiert“ und „Die Website kann den Traffic nicht aufnehmen“.
Wenn Sie eine konkrete Empfehlung benötigen, fragen Sie nicht vorschnell, „Welche Plattform ist am beliebtesten?“. Prüfen Sie stattdessen zunächst in dieser Reihenfolge: Wer sind die Kunden? Muss das Produkt demonstriert werden? Kann die Website Leads aufnehmen? Kann das Team kontinuierlich Inhalte erstellen? Wenn diese vier Fragen beantwortet sind, wird die geeignete Einstiegsplattform im Allgemeinen klar. Für die meisten Industrieunternehmen ist es sinnvoll, zunächst LinkedIn und die Verbindung zur Website zuverlässig aufzubauen und anschließend zu entscheiden, ob YouTube und Facebook ergänzt werden sollen. Mit dieser Einschätzung liegt man normalerweise nicht weit daneben.
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